Home. 

Ich tue gerade etwas, was meiner Wesenheit völlig widerspricht: ich treibe so etwas ähnliches wie Sport. Brrr. Ich hasse Sport. Ich liebte Reiten, weil das indirekter Sport ist, aber letztlich hasse ich alles was mit Schweiß und Muskelkater zu tun hat. Und ich hasse es noch nicht einmal glühend, es ist eher so eine unterkühlte Verachtung ... die ist weniger anstrengend.

Anyway, ich laufe schneller als sonst mit meinem Hund, weil ich vor Zombies davon laufe. ZombieRun, das ist eine App, die mir per Kopfhörer ein Hörspiel zur Verfügung stellt, das in einer postapokalytischen Welt spielt. Man ist ein Runner, der für eine kleine Enklave an Menschen Aufträge erledigt. Es ist unglaublich gut gemacht; man hört zwischendurch Musik aus einer eigenen Playliste, und dann wieder die Stimmen der Überlebenden oder auch das Stöhnen der Zombies, wenn sie mal wieder ganz nahe sind. Beides hat einen unglaublich motivierenden Effekt und man läuft und läuft und gibt echt alles.

Heute haben einige erzählt, wofür sie dankbar sind, also fiktive Überlebende in dieser fiktiven Welt. Und es waren die unterschiedlichsten Dinge. Aber eine sagte: Home. Sie sei dankbar für die anderen, die mit ihr zusammen hier leben und eine Art Heimat bilden.

Ich musste über Heimat nachdenken und darüber, dass Heimat sowohl äußerlich als auch innerlich ist.

Es gibt die, die überall zuhause sind, die haben ihre Heimat in sich. Und es gibt die, die müssen an bestimmten Plätzen sein, die haben Dinge, die für sie Heimat sind.

Dann habe ich überlegt, dass ich ein Mischwesen bin. Ich bin so oft umgezogen, dass Heimat für mich da ist, wo ich bin. Ja, ich empfinde etwas Besonderes, wenn ich in der Oberrheinischen Tiefebene bin, die Landschaftsstruktur und so ... aber letztlich bin ich da zuhause, wo ich meine Leute habe. 

Ich kann aber auch ohne Leute. Ich bin gerne alleine. Ich bin außen und innen zuhause. Großartig, das ist ein tolles Gefühl. Und daraus entstehen Strömungen, die mich kreativ machen. 

Ich kann mit vielen Leuten sein, an tollen Orten und den Input aufnehmen und dann zuhause ganz allein wieder ausstoßen. Das ist mein Benzin, mein Motor, mein Antrieb (hört sich fast an, wie ein Grönemeyer Song).

Und so ein Buch kann auch Heimat sein. Für mich als Autor: ich lebe während des Schreibens in dieser Welt, ich sehe, rieche und fühle die Figuren. Und im besten Falle kann auch der Leser  sich so hineinlesen, dass das Buch für ihn zur temporären Heimat wird. Unzählige Leben wurden durch Hogwarts/Rivendell oder Narnia verschönert. Ich bin mir sicher, dass viele Menschen durch Geschichten Trost und Erfüllung finden, auch wenn ihr eigenes Leben keine Magie enthält.

Das ist die Kraft der Geschichten: Heimat. Etwas, wo man sich wohlfühlt. Und warum auch immer man sich in den 50 Schatten oder den Feuchtgebieten heimisch fühlt, ist doch egal. Der Mensch hat die Sprache glaube ich nicht erfunden, um Gebrauchsanweisungen zu kommunizieren. Sondern um Geschichten zu erzählen. Um in einer Höhle, um ein Feuer herum gekauert, der Welt den Rücken zu kehren und einzutauchen in eine andere, die einem die Seele flickt und sich wie ein Mantel um einen legt, wenn das Leben kalt ist.